Wenn alte Mauern neue Wege weisen – Schleitheim zum Zweiten vom 27.6.26

Gelungene Umbauten, gute Stimmung – Schleitheim begeistert erneut!

Schoggitaler-Projekt 2026:

Der Schlaatemer Dorfbach prägt den Ort seit Jahrhunderten – und er prägte auch die zweite Veranstaltung des Heimatschutzes Schaffhausen gemeinsam mit dem Heimatkundeverein Schleitheim.


  • Rund fünfzig Interessierte trotzten der Hitze und folgten der Einladung, gelungene Umbauten im Ortskern Schleitheims zu besichtigen.
  • Peter Müller, Präsident des Heimatkundevereins Schleitheim, begrüsste die rund 50 Anwesenden; Organisator Hans-Georg Bächtold, Raumplaner und Vizepräsident des Heimatschutzes Schaffhausen, erklärte das Programm. 
  • Ausgerüstet mit Wasserflaschen starteten die zwei Gruppen ihren Rundgang – geführt von Katharina Müller, Präsidentin des Heimatschutzes Schaffhausen, sowie von Hans-Georg Bächtold und Peter Müller.  

Ein Nachmittag entlang des Bachs 

Die Führung begann im lauschigen Schatten des Hauses zur Krone. Ein Haus, das in Schleitheim seit Generationen eine besondere Rolle spielt. Sein Tavernenrecht reicht bis ins Mittelalter zurück, die Sandsteinfassade und die orientalischen Ornamente stammen von einem Umbau um 1900. Heute verbindet die Liegenschaft Wohnen, Cafébetrieb und Coiffeurgeschäft – ein Beispiel, wie sich alte Strukturen erfolgreich neu beleben lassen.

Vom Stall zum Depot 

Weiter ging es durchs Hellgässli (g'Held = Gewann an der Halde oder mittelhochdeutsch hel = trocken, durstig) zur Pfarrschüür, wo mit viel freiwilliger Arbeit ein Depot für das Museum Schleitheimertal entsteht – ein Raum, der die Dorfgeschichte bewahrt und zugänglich macht.

Baukultur am Bach: Spuren des Wassers und neues Potenzial

Randenstrasse – Lättegässli – Rösslibrücke: Viel Potenzial zeigte das Haus Luckete 3 in der Dorfkernzone (Baujahr 1900), während der zeitgemäss umgebaute Randenhof eine gelungene Weiterentwicklung der bestehenden Bausubstanz demonstrierte. Eine historische Hochwassermarke an der Rösslibrugg erinnerte daran, wie anspruchsvoll der Umgang mit dem Wasser über die Jahrhunderte hinweg war. Dass der Bach bis heute offen durch den Ort fliesst, ist ein Stück Ingenieurbaukunst, das Respekt verdient.

Beggingerstrasse 35: Mut zum Umbau – ein Herzensprojekt

Ein Höhepunkt war der Besuch bei Corina Hintermeister und Stefan Werly, die eigentlich nur wegen eines alten Kachelofens nach Schleitheim gekommen waren. Daraus wurde ein Umbauprojekt in enger Abstimmung mit der Denkmalpflege: versetztes Fachwerk, ein neu gestalteter Scheunenraum und ein kleines Gästeappartement zeigen, wie sich historische Substanz sorgfältig weiterentwickeln lässt. 

Ein Blick zur Villa Aida und zur Liegenschaft Gass 9

Ein kurzer Abstecher führte zur Villa Aida, die der einst für Ismail Pascha tätige Hofgärtner Christian Stamm plante, aber nie selbst bewohnte. Früher nutzte die Gemeindeverwaltung die Räume, heute bietet die Kita Fuchsbau in den umgebauten Zimmern Platz für 20 Kinder – ein weiteres Beispiel für die vielfältige Baugeschichte am Dorfbach.

Schräg gegenüber liegt die Liegenschaft Gass 9, deren Umbau die Nutzungsänderung in ein Mehrfamilienhaus umfasst: drei Wohneinheiten, Lift und ein Veloraum. 

Austausch und Ausklang in der Kronenhalle 

Zurück in der Kronenhalle klang der Nachmittag bei einem erfrischenden, feinen Apéro aus. Lebhaft diskutiert wurde über die Chancen einer frühzeitigen Zusammenarbeit mit der Denkmalpflege – Kompromisse gehören dazu, doch die besichtigten Häuser zeigten, dass gute Lösungen möglich sind.

Fazit: Die zweite Veranstaltung in Schleitheim zeigte, wie viel Potenzial im bestehenden Ortsbild steckt: Sorgfältige Planung, engagierte Eigentümerschaft und Respekt vor der Geschichte machen Mut, die Ortsmitte weiterzudenken.

Bilder: Hannes Luz, Architekt und Energieplaner, Bauberater Heimatschutz Schaffhausen.