Katharina Müller (Heimatschutz Schaffhausen), Lukas Wallimann (Denkmalpflege) und Matthias Corrodi (Dost Architektur) führten durch Geschichte und Gegenwart der ehemaligen Silbermanufaktur Jezler. Hans Graf (Graf & Partner Immobilien) gab spannende Einblicke in die Vermarktung.
Ein schmaler Grat trennt das Schützenswerte vom Erhaltenswerten.
Was ist schützenswert, was erhaltenswert? Ein schmaler Grat – und ein sinnvoller Umgang mit Bestandesarchitektur. Die Industriehalle wurde bis aufs Stahlgerüst rückgebaut, das beschädigte historische Fischgrätparkett – einst dazu da, schweren Silberwaren standzuhalten – konnte andernorts recycelt werden. Neu zieren helle Parkettböden wiederum mit Fischgrätmuster die Wohnungen. Die Gusseisenstützen tragen das Gebäude weiterhin zuverlässig, sind neu mit Beton ummantelt – für den Brandschutz, da Stahl bei Feuer schmilzt. Die Decken wurden ersetzt, um den heutigen Anforderungen wie Dämmung, Akustik und Statik gerecht zu werden.
Sinnvolle Aufstockung mit Weitsicht
Der Innenhof – der Silberhof – ist das Herzstück der Überbauung und fördert mit Laubengängen das soziale Miteinander. Eine Tiefgarage wurde bewusst nicht geplant, dafür ein Veloraum mit E-Ladestation. Vom Silberhof aus ist alles bequem per Pedes und via Velo erreichbar. Die Aufstockung erfolgte in leichter Holzbauweise, mit kupferverkleidetem Dachstock aussen und Flachdach – passend zum Industriecharme anno 1898.
Das Farbkonzept: zurückhaltend, stimmig und mit kräftigeren Farbakzenten: Terrakotta, dezentes Hellgrün und Grau bis Schwarz variieren je nach Wohnung, Insgesamt entstehen 29 Mietwohnungen – vom Studio bis zur Maisonette. Bereits die Hälfte ist vermietet.
Nachhaltigkeit zeigt sich hier als Haltung: Erdwärmesonden bis 200 Meter Tiefe, textiler Sonnenschutz, unten massive Bausubstanz, oben durchdachte Leichtbauweise in Holz.
Die Frage, wie Masse kühl und Nachbarschaft warm bleibt, beantwortet sich im Konzept – und im Alltag.
Eine rundum gelungene Führung, die Architektur, Geschichte und Zukunft auf inspirierende Weise verband.
Von Herzen danken wir allen Mitwirkenden:
• Katharina Müller, Präsidentin Heimatschutz Schaffhausen
• Lukas Wallimann, Denkmalpflege Schaffhausen
• Matthias Corrodi und Luljete Halili, Projektleitung, Dost Architektur
• Hans Graf und Vinja Grob, Vermarktung, Graf & Partner Immobilien